AgriNatur AT-HU – Forschung zum Einfluss der Bewirtschaftung auf die Biodiversität von Naturschutzgebieten

Hintergrund des Projekts

Durch das rasche Bevölkerungswachstum in der Region Wien-Györ steigt gleichzeitig auch der Bedarf an landwirtschaftlichen Flächen. Diese werden unter Einsatz von Pestiziden und Düngemittel entweder intensiv bewirtschaftet oder brach liegen gelassen, was die Ausbreitung von nicht heimischen Pflanzen (Neophyten) zur Folge hat. Beides trägt zum Verlust der Biodiversität bei, die wiederum den Lebensraum für hochrangig geschützte Arten garantiert. Bei gleichzeitiger Entfernung von Landschaftselementen nimmt die Artenvielfalt dramatisch ab und damit auch die Regenationsfähigkeit der Agrar-Ökosysteme nach Störungen. Nur umweltverträglich nachhaltig (bio-) bewirtschaftete Äcker in einer vielfältigen Kulturlandschaft können multifunktionale Leistungen für Lebensmittelversorgung, Klima-, Bodenschutz, Erholungsnutzung und Biodiversität erbringen. In diesem Sinne bedarf es der Entwicklung spezieller Maßnahmen, wie Acker-, Wiesen- und Waldflächen in den Pflege-/Managementzonen der Nationalparks und andere Schutzgebiete naturschutzgerecht bewirtschaftet werden können.


Projektinhalt

Ziel des Projekts ist es, neue Erkenntnisse zum Einfluss der Bewirtschaftung auf die Biodiversität von Naturschutzgebieten zu gewinnen. In diesem Sinne werden innovative, grenzüberschreitende Workshops für ExpertInnen aus Naturschutz und Landwirtschaft und Verantwortliche des Nationalparks Donau-Auen Wiener Teil (AT) und der Region Mosoni Ebene (HU) veranstaltet. Gemeinsam erheben und bewerten sie die Artenvielfalt mit Hilfe von Biodiversitäts-Indikatoren in Naturschutzgebieten und der Kulturlandschaft außerhalb. Das Untersuchungsmaterial hat als Grundlage historische Daten und neue Monitorings von Vogel- und Baumarten in Ungarn und von Ackerflora u. -fauna (Vögel, Insekten) in Österreich. Basierend auf dem Ist-Stand des Naturschutzwerts entwickeln die ProjektpartnerInnen eine AgriNatur Strategie, die allgemein für ackerlandreiche Schutzgebiete und Landschaften der Programmregion anwendbar und auch auf andere europäische Tiefland-Schutzgebiete übertragbar ist. Diese AgriNatur-Strategie für Biodiversität durch land-/forstwirtschaftliche Nutzungen beinhaltet auch Auswahlkriterien, für welche terrestrischen Lebensräume von Pflanzen und Tieren langfristige Pflegemaßnahmen notwendig sind und enthält Empfehlungen für kostengünstige, effiziente Maßnahmen zur Bekämpfung invasiver Neophyten.

Ein weiterer neuer Ansatz ist die Entwicklung von innovativen ackerbaulichen Bewirtschaftungsmethoden, die dazu beitragen sollen, dass einerseits die Agrobiodiversität gesteigert wird und anderseits besonders schützenswerte Arten der Naturzonen erhalten werden. Dabei hilfreich sind Maßnahmen wie vielfältigen Fruchtfolgen, moderne Landmaschinentechnik und biologisches Grundlagenwissen über die Ansprüche artspezifischer Pflanzen und Tiere an ihren Lebensraum. Mit dieser speziellen Bewirtschaftung werden Agrar-Naturschutzflächen geschaffen, die mehrere Ansprüche erfüllen: attraktive Habitate für schützenswerte Tier- und Pflanzenarten, Produktion hochwertiger (Bio-)Lebensmittel sowie attraktive Erholungslandschaft.

Um das Bewusstsein für die Bedeutung der Biodiversität in der Landwirtschaft zu schaffen, werden Lehrpfäde und Besucherflächen in Österreich und Ungarn. Der Lehrpfad in Wien (AT) wird aus dem Nationalpark entlang von zwei Pilotfeldern mit naturschutzoptimierter Bio-Landwirtschaft ins Vorland der „Neuen Lobau“ zu drei „Feldern der Vielfalt“ führen. Diese enthalten Tische und Bänke zum Rasten sowie Schauelemente (Kulturpflanzen, Blühpflanzen und Sträucher zur Nützlingsförderung) und selbsterklärende Infotafeln zur Agrobiodiversität. In Mosonmagyaróvár (HU) werden zwei Lehrpfade angelegt: einer im Burggarten mit dem „AgriNatur-Garten“ (Bäume, Zier-, Kultur- und autochthone Wildpflanzen; Rastmöglichkeiten), der andere als öko-historischer Lehrpfad im Wittmann Park zur Veranschaulichung von Wald- und Auen-Ökosystemen.


Highlights

Eckdaten zum Projekt


Laufzeit

01/2019-02/2022

Förderprogramm

Interreg Österreich-Ungarn 2014-2020

Projektbeteiligte

MA 49 Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien (Leadpartner) (AT)

Bioforschung Austria (AT)

Széchenyi István Universität (HU)

Projektbudget der Wiener Organisationen

€ 967.000 davon EFRE: € 822.000



Weitere Links zum Projekt